Ein rotes Krefelder Feuerwehrfahrzeug steht bereit vor einer bewaldeten Kulisse.

Krefelds Unglück, das den Brandschutz neu ordnete

Von der Redaktion Kommunikation Bremen | Stand: 24. August 2026

Am 10. August 1890, kurz vor 19 Uhr, vermischen sich in der Krefelder Gerberstraße ein krachendes Getöse und Hilferufe. Über den Häusern steigt eine dichte Staubwolke auf. Nach einem wolkenbruchartigen Gewitterregen ist das Haus mit der Nummer 34 eingestürzt.

Die Crefelder Zeitung beschreibt das Geschehen als ein Unglück von bis dahin nicht gekanntem Ausmaß. Neun Tage später trifft die Stadt eine Entscheidung, die den Brandschutz in Krefeld dauerhaft verändert: Sie beschließt den Aufbau einer ständigen Berufsfeuerwehr.

Diese Rekonstruktion beruht auf einem am 21. August 2026 veröffentlichten historischen Beitrag der Stadt Krefeld und auf den darin ausgewiesenen Materialien des Stadtarchivs Krefeld.

26 Tote, darunter 17 Kinder

In dem eingestürzten Haus leben Tagelöhner, Weber und Werkmeister mit ihren Familien. 26 Menschen sterben, unter ihnen 17 Kinder. Der Hauseinsturz vom 10. August 1890 trifft damit vor allem Arbeiterfamilien in einem dicht bewohnten Teil der wachsenden Industriestadt.

Krefelds Unglück, das den Brandschutz neu ordnete

Das Gebäude war zuvor stark verändert worden. An das Haus war ein Flügelbau gesetzt und mit einer dahinterliegenden Scheune verbunden worden. Außerdem hatte es ein zusätzliches Stockwerk erhalten. Seine Konstruktion entsprach nach der späteren Bewertung längst nicht mehr den notwendigen Anforderungen.

Als unmittelbare Unglücksursache gelten die Wassermassen des Unwetters. Die Abflussrohre des Kanals konnten das Wasser nicht mehr aufnehmen. Es überschwemmte die Straße, drang in die Kellerräume ein und unterspülte die Grundmauern.

Neun Tage bis zur ständigen Feuerwehr

Krefeld verfügte 1890 über rund 280 Männer im freiwilligen Feuerwehrdienst. Dennoch zeigte die Katastrophe, wie begrenzt ein ausschließlich ehrenamtlich getragenes System bei großen Schadenslagen war. Eine industrielle Großstadt benötigte ständig verfügbare, einheitlich ausgebildete und entsprechend ausgerüstete Einsatzkräfte.

Über eine Berufsfeuerwehr war bereits vor dem Einsturz beraten worden. Besonders Oberbürgermeister Ernst Küper setzte sich dafür ein. Das Unglück an der Gerberstraße verlieh diesen Plänen jedoch eine neue Dringlichkeit.

Krefelds Unglück, das den Brandschutz neu ordnete

Am 19. August 1890 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Errichtung einer ständigen Feuerwehr. Zwischen Katastrophe und politischer Konsequenz lagen damit nur neun Tage.

Vom Ledereimer zum Crefelder Brandcorps

Über Jahrhunderte mussten die Bürger Krefelds die Brandbekämpfung selbst organisieren. Die Gefahr war groß: Offene Koch- und Heizstellen trafen auf eng stehende Fachwerkhäuser und leicht entzündliche Dächer. 1584 wurden Krefeld und umliegende Höfe infolge eines kriegerischen Konflikts niedergebrannt. Bis 1590 blieb die Stadt unbewohnt; 1602 zerstörte ein weiteres Feuer neue Wohnhäuser.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung durch die Seidenverarbeitung wuchs auch der organisatorische Aufwand. Im 18. Jahrhundert beaufsichtigten Brand- und Brunnenmeister die Löschgeräte, Brunnen und Pumpen. Strohdächer wurden zurückgedrängt, Dächer mussten mit Ziegeln gedeckt werden. Jeder Haushalt hatte einen Ledereimer bereitzuhalten.

1822 führte Krefeld eine Feuerlöschordnung ein. Das Städtische Brandcorps, auch Crefelder Brandcorps genannt, war in vier Kompanien gegliedert. Bei Feuer schlug die Brandglocke der Dionysiuskirche, während Hornisten Alarm bliesen. Pumpengemeinschaften und Bürgerketten beförderten das Wasser von den Straßenpumpen bis zur Spritze. Ein Spritzenhaus an der Geldernschen Straße ergänzte ab 1874 die Ausrüstung.

Krefelds Unglück, das den Brandschutz neu ordnete

Neue Wachen machen den Beschluss sichtbar

Die erste Berufswache startete mit einem Wachtmeister, einem Oberfeuerwehrmann und zehn Feuerwehrmännern. Sie bezogen zunächst provisorisch das Spritzenhaus an der Geldernschen Straße. Anders als die freiwilligen Kräfte standen sie ausschließlich im Dienst der Stadt.

Im Juli 1891 nahm die Feuerwache am Westwall 118 ihren Betrieb auf. Im Juni 1909 folgte die Hauptfeuerwache an der Florastraße, die damals als eine der besten Wachen Preußens galt. Zugleich erhielt die Feuerwehr zwei motorisierte Spritzenwagen und eine Automobil-Drehleiter.

Am Sonntag, 6. September 2026, erinnert die Feuerwehr Krefeld bei einem Tag der offenen Tür an die rund 135-jährige Geschichte der Berufsfeuerwehr. Von 11 bis 17 Uhr können Besucher in der Hauptfeuer- und Rettungswache Einsatzfahrzeuge und Technik ansehen sowie mit Kräften von Feuerwehr und Rettungsdienst sprechen.

Quelle: City of Krefeld Press Releases

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