Ein futuristischer, heller Raum mit gebogenen, beleuchteten Paneelen und mehreren runden, grauen Sitzhockern.

„fuga“ in Berlin: Klangreise ab 29. August

Historische Stimmen bewegen sich durch den Raum, treffen auf elektronische Klänge und kehren in neuen Antworten zurück: Vom 29. August 2026 bis 31. März 2027 zeigt der Hörraum im Berliner Humboldt Forum die Klangausstellung „fuga“ von Netta Weiser. Geöffnet ist sie mittwochs bis montags von 16 bis 18:30 Uhr. Ein Eintrittspreis wird in der Ankündigung der Staatlichen Museen zu Berlin nicht genannt. Die Ausstellung richtet sich besonders an Menschen, die sich für Klangkunst, Archive sowie queere und diasporische Geschichte interessieren.

Für die in Berlin lebende Künstlerin und Choreografin ist es die erste Klangausstellung in der Stadt. Weiser arbeitet zwischen Klanginstallation, Performance und experimentellem Radio. Im Humboldt Forum nutzt sie das dreidimensionale Audiosystem des Hörraums, um Klänge in kreisförmigen Bewegungen durch die akustische Umgebung wandern zu lassen.

Archivaufnahmen aus der Oase Siwa werden neu hörbar

Ausgangspunkt von „fuga“ ist Netta Weisers Forschung im Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums. Dort beschäftigte sie sich mit Wachswalzenaufnahmen, die die deutsch-jüdische Komponistin und Musikwissenschaftlerin Brigitte Schiffer in den 1930er-Jahren in Ägypten anfertigte.

Schiffer reiste für ihre Dissertation in die Oase Siwa im Westen Ägyptens. Mit einem Phonographen dokumentierte sie vokale Praktiken der dort lebenden Amazigh-Gemeinschaft, darunter Frauenlieder, Totenklagen und Arbeitsgesänge. Nach Abschluss ihrer Dissertation floh sie 1935 vor dem nationalsozialistischen Regime nach Ägypten und lebte dort drei Jahrzehnte.

„fuga“ in Berlin: Klangreise ab 29. August

Weiser behandelt diese Aufnahmen nicht als abgeschlossene historische Dokumente. Sie verbindet die Stimmen aus dem Archiv mit gegenwärtigen Interpretationen, elektronisch bearbeiteten Klängen und einer räumlichen Komposition. Queere Geschichten, Erfahrungen von Migration und diasporische Erinnerungen werden dabei miteinander verschränkt.

Zwei Klangteile zwischen Trauerzug und Dattelernte

Der erste Teil der Installation basiert auf der Aufnahme von Kindern, die während eines Trauerzugs in der Sahara eine Totenklage singen. Brigitte Schiffer hatte bereits 1934 ein von dieser Melodie angeregtes Werk komponiert. Weiser kombiniert die historische Aufnahme mit Auszügen aus Schiffers Komposition, aus den Wachswalzen gewonnenen elektronischen Klängen und Reenactments von Kindern. Gemeinsam mit dem Flötisten Roy Amotz entstanden außerdem Improvisationen als Reaktion auf dieses Material.

Im zweiten Teil stehen Wechselgesänge von Landarbeitern während der Dattelernte in Siwa im Mittelpunkt. Die über die Palmengärten hinweg gerufenen Texte berühren Migration, wirtschaftliche Not und Andeutungen queerer Liebe. Der Sänger Chanan Ben Simon verkörpert die historischen Gesangsgesten neu und ergänzt jene antwortende Stimme, die in den archivierten Aufnahmen fehlt.

„fuga“ in Berlin: Klangreise ab 29. August

Eine sechskanalige Videoarbeit von Itay Marom begleitet die Klanginstallation. Sie bewegt sich langsam durch eine historische Fotografie des Kinderchors aus Schiffers 1936 veröffentlichter Dissertation und überträgt deren Texturen und Erinnerungsspuren in eine visuelle Ebene.

Performances und Gespräche zum Ausstellungsstart

Zur Eröffnung am 29. August ist während der Langen Nacht der Museen um 18:30 Uhr eine geführte Listening Session angekündigt. Um 20 Uhr folgt eine Klang-Performance im Hörraum. Am 12. September steht um 14 Uhr die Tanzarbeit „The Skin Listens Too“ auf dem Programm.

Ein Gespräch unter dem Titel „Brigitte Schiffer: Sounds of Exile“ ist für den 16. September um 17 Uhr angesetzt. Ergänzt wird das Programm durch kollektive Hör-Sessions und eine Radioserie auf reboot.fm.

„fuga“ in Berlin: Klangreise ab 29. August

Öffnungszeiten und offene Besuchsfragen

„fuga“ läuft im Hörraum im zweiten Obergeschoss des Humboldt Forums am Schloßplatz in Berlin. Die regulären Öffnungszeiten sind von Mittwoch bis Montag jeweils 16 bis 18:30 Uhr; der Ausstellungszeitraum endet am 31. März 2027.

Zum Eintrittspreis, zu einer möglichen Anmeldung, zur Anreise und zur Barrierefreiheit enthält die vorliegende Ausstellungsankündigung keine Angaben. Diese Punkte sollten Besucher vor der Anreise direkt beim Humboldt Forum prüfen.

Quelle: Staatliche Museen zu Berlin – Aktuelle Ausstellungen

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