Der 3. Oktober erinnert an den Tag, an dem 1990 die Deutsche Demokratische Republik der Bundesrepublik Deutschland beitrat. Der Einigungsvertrag bestimmte dieses Datum zum Tag der Deutschen Einheit und zum gesetzlichen Feiertag. Gefeiert wird heute aber nicht allein ein juristischer Vorgang: Das Datum steht auch für die Hoffnungen, Brüche und unterschiedlichen Erfahrungen, die mit der Vereinigung verbunden waren.
Von der Redaktion Kommunikation Bremen
Was am 3. Oktober 1990 geschah
Mit Beginn des 3. Oktober 1990 galt das Grundgesetz auch in den Ländern, die auf dem Gebiet der DDR neu gebildet worden waren. Die DDR hörte als Staat auf zu bestehen; Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden Länder der Bundesrepublik. Ost- und West-Berlin bildeten fortan gemeinsam das Land Berlin.
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Dieser Schritt wird oft „Wiedervereinigung“ genannt. Der Begriff beschreibt das Ergebnis im Alltag verständlich, lässt aber die rechtliche Form offen. Juristisch handelte es sich um den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes. Die Bundesrepublik und die DDR gründeten also nicht gemeinsam einen dritten Staat mit einer vollständig neuen Verfassung.
Der Beitritt war das Ende eines politischen Prozesses, nicht dessen Anfang. Auf die friedlichen Proteste in der DDR und die Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 folgten Verhandlungen über die staatliche Einheit. Bei der Volkskammerwahl am 18. März 1990 konnten die Menschen in der DDR erstmals frei über die Zusammensetzung ihres Parlaments entscheiden. Die Volkskammer beschloss später den Beitritt zum 3. Oktober.

Warum gerade dieses Datum Feiertag wurde
Die Antwort steht in Artikel 2 des Einigungsvertrags. Dort heißt es: „Der 3. Oktober ist als Tag der Deutschen Einheit gesetzlicher Feiertag.“ Der Vertrag regelte damit zweierlei: den Namen des Tages und seinen Status als Feiertag. Das Datum verweist auf das Wirksamwerden des Beitritts, nicht auf den Mauerfall oder einen einzelnen Protesttag.
Der 9. November 1989 ist für viele Menschen das eindrücklichere Bild der deutschen Einheit. Der 9. November trägt in der deutschen Geschichte jedoch weitere, gegensätzliche Bedeutungen; dazu gehören die nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938. Der 3. Oktober setzt den staatlichen Vollzug der Einheit als gemeinsamen Bezugspunkt, ohne die Ereignisse des Herbstes 1989 zu ersetzen.
Vor 1990 gab es in der Bundesrepublik bereits einen „Tag der deutschen Einheit“: Er wurde am 17. Juni begangen und erinnerte an den Volksaufstand in der DDR von 1953. Mit der Vereinigung änderten sich Datum und Anlass des nationalen Feiertags. Die Geschichte des 17. Juni gehört dennoch zur Vorgeschichte der Einheit.
Was der Einigungsvertrag erklärt – und was nicht
Der Einigungsvertrag war eine Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik und der DDR über die Folgen des Beitritts. Er musste unter anderem klären, wie staatliche Einrichtungen, Gesetze und Verwaltungen nach der Vereinigung zusammengeführt werden sollten. Sein Artikel 2 gibt eine klare Antwort auf die Kalenderfrage. Er kann aber nicht festlegen, was der Tag für jeden einzelnen Menschen bedeutet.

Für manche Menschen in der DDR verband sich 1990 mit der Einheit die Aussicht auf freie Wahlen, Reisefreiheit und neue Möglichkeiten für Ausbildung oder Beruf. Zugleich veränderten sich Betriebe, Arbeitsplätze und vertraute Institutionen tiefgreifend. Wer eine neue Stelle fand, wer seine Arbeit verlor und wer fortzog, erlebte denselben politischen Einschnitt unter sehr verschiedenen Bedingungen.
Auch in Westdeutschland war die Vereinigung mehr als ein festlicher Moment. Menschen nahmen Verwandte und Freunde wieder häufiger in ihr Leben auf; andere begegneten einem Teil Deutschlands, den sie bisher kaum kannten. Zugleich mussten Politik, Verwaltung und Gesellschaft Entscheidungen über Finanzierung, Infrastruktur und gemeinsame Regeln treffen. Solche Erfahrungen lassen sich nicht sauber in eine östliche und eine westliche Sicht aufteilen.
Woran der Feiertag heute erinnern kann
Am 3. Oktober finden offizielle Feiern statt. Das Gedenken reicht jedoch über Festreden hinaus. Es kann an die Menschen erinnern, die in der DDR für politische Rechte eintraten, an die demokratischen Entscheidungen von 1990 und an die internationale Zustimmung, ohne die die staatliche Einheit nicht möglich gewesen wäre.
Ebenso gehört die Zeit nach dem Beitritt dazu. Unterschiedliche Lebenswege und die Folgen des wirtschaftlichen und institutionellen Umbaus verschwinden nicht, weil der Feiertag einen gemeinsamen Namen trägt. Wer von deutscher Einheit spricht, kann deshalb sowohl die gewonnenen Freiheiten als auch Verluste und fortdauernde Unterschiede ernst nehmen.
Für die Frage, warum der Feiertag auf den 3. Oktober fällt, ist der Einigungsvertrag der entscheidende Text: An diesem Tag wurde der Beitritt wirksam, und Artikel 2 machte ihn zum gesetzlichen Feiertag. Was die Einheit im Leben einzelner Menschen bedeutet, erschließt sich erst aus ihren verschiedenen Geschichten – vor und nach 1990.
Quelle: Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz
Kontext und Aktionen Über diesen Artikel
Quellenprüfung Zum Datum
Artikel 2 des Einigungsvertrags legt den 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit und gesetzlichen Feiertag fest.
- Den Feiertagswortlaut in Artikel 2 des Einigungsvertrags nachlesen.
- Den Beitritt vom Mauerfall am 9. November 1989 unterscheiden.
- Quelle
- Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz: Einigungsvertra...
- Umfang
- Deutschland
- Aktualisiert
- 2026-10-05 07:35
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