Redaktion Kommunikation Bremen, 18. August 2026
Neben dem mächtigen, quaderförmigen Grabmal für Franz Hellinger und Ferdinand Wiesmann auf dem Speyerer Friedhof steht jetzt eine erklärende Informationstafel. Die Stadt Speyer reagiert damit auf wiederkehrende Kontroversen um einen Gedenkstein, dessen politische Bedeutung sich ohne historischen Kontext kaum erschließt.
Das Monument erinnert an zwei Männer, die am tödlichen Anschlag auf Franz Josef Heinz beteiligt waren. Nach Beratungen im Stadtrat sowie im Kultur- und im Friedhofausschuss entschied sich die Stadt gegen eine Entfernung des Steins. Stattdessen soll die Tafel seine Entstehung, die propagandistische Vereinnahmung der Täter und die heutige Neubewertung sichtbar machen.
Ein politischer Anschlag im Wittelsbacher Hof
Am 9. Januar 1924 griffen Hellinger, Wiesmann und weitere Beteiligte Franz Josef Heinz im Wittelsbacher Hof an der Ludwigstraße 2 in Speyer an. Heinz, auch Heinz Orbis genannt, führte die Bewegung „Autonome Pfalz im Verband der Rheinischen Republik“ an. Der Anschlag kostete Heinz sowie Hellinger und Wiesmann das Leben.
Acht Jahre später, 1932, entstand auf dem Speyerer Friedhof der große Grab- und Gedenkstein für die beiden Mitattentäter. Seine Einweihung war eine aufwendig inszenierte Feier, die der Bayerische Rundfunk übertrug. Reichspräsident Hindenburg, Reichskanzler Brüning und der bayerische Ministerpräsident sandten Grußadressen; Kronprinz Rupprecht von Bayern ließ einen Kranz niederlegen. Diese Beteiligung zeigt, welchen öffentlichen Rang die Ehrung damals erhielt.
Wie aus Attentätern vermeintliche Märtyrer wurden
Völkische und nationalsozialistische Propaganda stellte die Ermordung von Heinz als heroische Tat dar. Hellinger und Wiesmann wurden dabei zu Freiheitskämpfern und Märtyrern verklärt. Das Grabmal ist deshalb nicht nur eine Ruhestätte, sondern zugleich ein Zeugnis dieser politischen Inszenierung. Gerade diese Aufladung erklärt, weshalb es bei Besucherinnen und Besuchern des Friedhofs immer wieder Widerspruch auslöst.

Die heutige historische Einordnung unterscheidet sich deutlich von jener Ehrung. Die Stadt Speyer distanziert sich ausdrücklich von der damaligen Würdigung der Attentäter. Mit der Tafel will sie diese Distanz unmittelbar am Monument nachvollziehbar machen, ohne das belastete historische Zeugnis zu entfernen.
Was die neue Informationstafel leisten soll
Die Medieninformation der Stadt gibt den vollständigen Wortlaut der Tafel nicht wieder. Ihr Zweck wird jedoch klar benannt: Das Denkmal soll als Ausdruck seiner Entstehungszeit kritisch eingeordnet und zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit politischer Gewalt, extremistischer Propaganda und der Verklärung ihrer Täter werden. Für Friedhofsbesucher verändert sich damit vor allem der Zugang zum Monument: Die ursprüngliche Ehrung steht nicht länger unkommentiert im Raum.
Die Entscheidung für Erläuterung statt Entfernung folgt dem städtischen Verständnis einer demokratischen Erinnerungskultur. Danach sollen auch widersprüchliche und belastende Kapitel sichtbar bleiben, damit ihre politische Instrumentalisierung erkennbar wird. Die Stadt verbindet das Erinnern ausdrücklich mit dem Schutz von Freiheit, Menschenrechten und Pluralismus sowie mit der Warnung vor Extremismus, Diktatur, Rassismus und Desinformation.
Grundlage dieses Berichts ist die Medieninformation der Stadt Speyer vom 17. August 2026. Weitere Angaben zum genauen Wortlaut der angebrachten Tafel enthält die Mitteilung nicht.
Quelle: City of Speyer Media Information
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Quellenprüfung Quellennachweis
Der Beitrag stützt sich auf die Medieninformation der Stadt Speyer und trennt die Ereignisse von 1924, die Denkmaleinweihung von 1932 und die heutige Bewertung.
- Veröffentlichungsdatum und Herausgeber der Medieninformation wurden übernommen.
- Namen, Anschlagsort und Datumsangaben wurden mit der städtischen Darstellung abgeglichen.
- Die propagandistische Ehrung von 1932 und die heutige Haltung der Stadt wurden klar getren...
- Der Wortlaut der Informationstafel wurde nicht ergänzt, da er in der Quelle nicht vollstän...
- Quelle
- Medieninformation der Stadt Speyer
- Umfang
- Speyer
- Aktualisiert
- 2026-08-18 19:29
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