Die CDU geht als stärkste Partei der Berliner Wiederholungswahl 2023 in die entscheidende Phase vor der nächsten Abgeordnetenhauswahl. Die Bundeswahlleiterin nennt den 20. September 2026 als planmäßigen Wahltermin. Bis dahin bleibt offen, ob die CDU erneut allein den höchsten Zweitstimmenanteil erreicht – mit Folgen für die politische Richtung bei Mieten, Verkehr, Schulen, Sicherheit und der Modernisierung der Verwaltung.
Von der Redaktion Kommunikation Bremen | Stand: 9. September 2026
Die Prognose auf einen Blick
- Frage: Erhält die CDU allein den höchsten Anteil der gültigen Zweitstimmen?
- Frist: Die Prognose schließt am 20. September 2026.
- JA: Die CDU liegt im amtlichen vorläufigen Ergebnis allein auf Platz eins.
- NEIN: Eine andere Partei liegt vorn, die CDU wird Zweite oder schlechter, oder es gibt einen Gleichstand an der Spitze.
- Entscheidende Quelle: Das von der Landeswahlleitung Berlin veröffentlichte vorläufige Zweitstimmenergebnis.
Die Frage bezieht sich ausschließlich auf den Rang nach Zweitstimmen. Sie sagt weder voraus, welche Koalition zustande kommt, noch wer anschließend das Amt des Regierenden Bürgermeisters oder der Regierenden Bürgermeisterin übernimmt.
Warum die Zweitstimme über den Parteienrang entscheidet
Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus verfügen Wahlberechtigte über eine Erst- und eine Zweitstimme. Mit der Erststimme wählen sie eine Person im jeweiligen Wahlkreis. Wer dort die meisten Stimmen erhält, gewinnt grundsätzlich das Direktmandat.
Die Zweitstimme gilt einer Landes- oder Bezirksliste einer Partei. Sie ist für das politische Kräfteverhältnis im Abgeordnetenhaus ausschlaggebend, weil sie die proportionale Sitzverteilung zwischen den Parteien bestimmt. Deshalb wird die Prognose nicht anhand gewonnener Wahlkreise, der Zahl bekannter Kandidatinnen und Kandidaten oder möglicher Koalitionen aufgelöst.
Eine Partei kann viele Direktmandate gewinnen, ohne zwingend den höchsten Zweitstimmenanteil zu erzielen. Umgekehrt kann sie bei den Zweitstimmen vorn liegen, obwohl eine andere Partei in einzelnen Bezirken besonders erfolgreich ist. Für die binäre Entscheidung zählt allein der berlinweite Anteil der gültigen Zweitstimmen.
Auch die Regierungsbildung folgt einer anderen Logik. Die stärkste Partei besitzt nicht automatisch eine parlamentarische Mehrheit. Sie benötigt meist mindestens einen Koalitionspartner, während theoretisch auch mehrere nachfolgende Parteien gemeinsam eine Mehrheit bilden können. „Stärkste Kraft“ und „führt die nächste Regierung“ sind daher zwei verschiedene Aussagen.
Die Wiederholungswahl 2023 verschaffte der CDU den Ausgangsvorteil
Die Wiederholungswahl vom 12. Februar 2023 bildet den wichtigsten amtlichen Vergleichspunkt. Sie musste wegen schwerwiegender organisatorischer Probleme bei der ursprünglichen Wahl 2021 durchgeführt werden. Dabei wurde die CDU mit rund 28 Prozent der Zweitstimmen deutlich stärkste Kraft.
SPD und Bündnis 90/Die Grünen folgten jeweils mit ungefähr 18 Prozent und lagen äußerst dicht beieinander. Dahinter landeten Die Linke und die AfD. Dieses Resultat zeigt, dass die CDU 2023 einen klaren Vorsprung auf ihre direkten Verfolger hatte. Es ist jedoch kein Beleg dafür, dass derselbe Abstand 2026 bestehen bleibt.

Die Wiederholungswahl verlängerte die Wahlperiode nicht wie eine gewöhnliche Neuwahl. Deshalb findet die planmäßige nächste Wahl bereits 2026 statt. Der von der Bundeswahlleiterin veröffentlichte Termin schafft einen festen Endpunkt: Am 20. September geben die Berlinerinnen und Berliner ihre Stimmen für die nächste reguläre Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses ab.
Seit 2023 können sich Parteibindungen, Kandidaturen, Konfliktthemen und die Beteiligungsabsicht verändert haben. Besonders wichtig ist deshalb, historische Wahlergebnisse nicht mit aktuellen Stimmungsbildern zu vermischen. Das Ergebnis von 2023 beschreibt, was damals tatsächlich gewählt wurde; Umfragen versuchen lediglich abzubilden, wie Befragte zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt antworten.
Umfragen zeigen eine Tendenz, aber noch kein Wahlergebnis
Wahlrecht.de bündelt veröffentlichte Sonntagsfragen verschiedener Institute zur Berliner Abgeordnetenhauswahl. Solche Erhebungen sind für die Prognose relevant, weil sie Verschiebungen zwischen CDU, SPD, Grünen, Linken, AfD und weiteren Parteien sichtbar machen können. Sie ersetzen jedoch weder die Stimmabgabe noch die amtliche Auszählung.
Vier Angaben entscheiden über die Aussagekraft
Bei jedem Umfragewert sollten Leserinnen und Leser auf vier Punkte achten:
- den Zeitraum der Befragung,
- das verantwortliche Institut,
- die Zahl und Auswahl der Befragten,
- die Veränderung gegenüber mehreren vorherigen Erhebungen.
Ein einzelner Prozentwert kann durch Stichprobenunsicherheit, Rundung oder eine kurzfristige öffentliche Debatte beeinflusst sein. Aussagekräftiger ist häufig, ob mehrere Institute über einen längeren Zeitraum dieselbe Rangfolge erkennen lassen. Selbst ein stabiler Umfragevorsprung garantiert keinen Wahlsieg, weil unentschlossene Personen, Mobilisierung und Wahlbeteiligung das endgültige Ergebnis verändern können.
Besonders vorsichtig ist eine knappe Führung zu beurteilen. Liegen zwei Parteien innerhalb weniger Prozentpunkte, kann die statistische Unsicherheit größer sein als der gemessene Abstand. Für diese Prognose kommt eine zusätzliche Besonderheit hinzu: Ein exakt gleicher höchster Zweitstimmenanteil wird als NEIN gewertet. Eine bloße geteilte Führung genügt der CDU daher nicht.
Umfragen müssen zudem klar von Hochrechnungen und amtlichen Ergebnissen getrennt werden. Sonntagsfragen werden vor der Wahl erhoben. Prognosen und Hochrechnungen am Wahlabend beruhen bereits auf Befragungen von Wählerinnen und Wählern beziehungsweise auf ausgezählten Stimmbezirken. Verbindlich für die hier gestellte Frage ist dennoch erst die Veröffentlichung der Landeswahlleitung.
Mieten, Verkehr und Verwaltung prägen den politischen Wettbewerb
Der Parteienrang ist keine abstrakte Größe, denn die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses beeinflusst Entscheidungen, die den Alltag in Berlin unmittelbar betreffen. In der Wohnungs- und Mietpolitik geht es unter anderem um Neubau, sozialen Wohnraum, landeseigene Wohnungsunternehmen und den Umgang mit steigenden Belastungen für Haushalte. Die möglichen Folgen eines CDU-Siegs reichen damit weit über den bloßen Parteienrang hinaus.

Beim Verkehr stehen die Finanzierung und Zuverlässigkeit des öffentlichen Nahverkehrs, der Zustand von Straßen und Brücken sowie die Aufteilung des begrenzten Straßenraums im Mittelpunkt. Unterschiedliche Mehrheiten können andere Prioritäten zwischen Bus und Bahn, Auto-, Rad- und Fußverkehr setzen.
Auch Schulen, innere Sicherheit und die Leistungsfähigkeit der Bezirks- und Landesverwaltung dürften die Wahlentscheidung beeinflussen. Lange Terminwartezeiten, stockende Digitalisierung oder langsame Genehmigungsverfahren sind für viele Menschen konkrete Erfahrungen. Parteien werden daran gemessen, ob ihre Vorschläge praktisch umsetzbar und finanzierbar erscheinen.
Die CDU profitiert im Ausgangsbild von ihrem ersten Platz 2023. Der Weg zu einem erneuten Spitzenrang hängt jedoch davon ab, ob sie ihre damaligen Wählerinnen und Wähler mobilisieren kann und wie stark die Konkurrenz abschneidet. Ein Stimmenzuwachs einer einzelnen Partei muss die CDU nicht automatisch auf Platz zwei verdrängen; entscheidend sind die Abstände im gesamten Feld.
So entstehen ein JA- oder ein NEIN-Ergebnis
Der JA-Pfad ist eindeutig: Die CDU erhält im amtlichen vorläufigen Ergebnis einen höheren Anteil der gültigen Zweitstimmen als jede andere Partei. Dabei spielt es keine Rolle, wie groß der Vorsprung ist. Auch ein sehr knapper alleiniger erster Platz erfüllt die Bedingung.
Für ein NEIN gibt es mehrere Wege. Es tritt ein, wenn SPD, Grüne, Linke, AfD oder eine andere Partei mehr gültige Zweitstimmen erhält. Ebenso lautet die Auflösung NEIN, wenn die CDU nur den zweiten oder einen schlechteren Rang erreicht. Ein rechnerisch exakt gleicher höchster Anteil mit einer anderen Partei zählt ebenfalls als NEIN.
Koalitionsverhandlungen verändern diese Einordnung nicht. Selbst wenn die CDU stärkste Kraft wird, aber keine Regierung anführt, bleibt das Prognoseergebnis JA. Wird sie nicht stärkste Kraft, beteiligt sich jedoch später an einer Regierungskoalition, bleibt es NEIN. Ausschlaggebend ist der Stimmenrang und nicht die politische Entwicklung nach dem Wahlabend.
Die Landeswahlleitung liefert die maßgebliche Entscheidung
Nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht die Landeswahlleitung Berlin die amtlichen Informationen und das maßgebliche vorläufige Ergebnis. Für die Auflösung wird der berlinweite Zweitstimmenanteil aller Parteien verglichen. Wahlkreisergebnisse, Sitzprojektionen von Medien und erste Hochrechnungen dienen nur der Orientierung.
Spätere Korrekturen werden grundsätzlich nicht nachträglich einbezogen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn das vorläufige Ergebnis bereits vor seiner Veröffentlichung erkennbar fehlerhaft war oder von der Landeswahlleitung zurückgezogen wird. Diese Begrenzung verhindert, dass kleinere spätere Berichtigungen eine bereits nach einer klaren öffentlichen Grundlage getroffene Entscheidung fortlaufend verändern.
Der nächste entscheidende Prüfpunkt ist deshalb nicht die nächste einzelne Sonntagsfrage, sondern das am Wahlabend des 20. September 2026 veröffentlichte vorläufige Zweitstimmenergebnis. Dort zeigt sich, ob der Vorsprung der CDU aus dem Jahr 2023 Bestand hatte oder Berlin eine neue stärkste politische Kraft gewählt hat.
Quelle: Die Bundeswahlleiterin
Kontext und Aktionen Über diesen Artikel
Quellenprüfung Auflösung der Wahlprognose
Maßgeblich ist, ob die CDU im amtlichen vorläufigen Ergebnis allein den höchsten Zweitstimmenanteil erreicht.
- Wahltermin in der Übersicht der Bundeswahlleiterin prüfen
- Vorläufiges Zweitstimmenergebnis der Landeswahlleitung Berlin vergleichen
- Umfragen klar von amtlichen Wahlergebnissen trennen
- Einen Gleichstand an der Spitze als NEIN werten
- Quelle
- Landeswahlleitung Berlin
- Umfang
- Berlin
- Aktualisiert
- 2026-09-09 19:24
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